Kontakt
Rechtsanwalt Sebastian Kern

Auslandsunfall: Anspruch auf Erstattung der Abschleppkosten und der Anwaltskosten

Autor: Sebastian Kern

Thema:

Veröffentlicht am: 17. Oktober 2021

Mit Urteil vom 03.08.2021 entschied das OLG Düsseldorf, dass der Geschädigte eines Verkehrsunfalls, der sich im Ausland ereignete (hier: Polen), die Erstattung der Kosten eines in Deutschland mit der Regulierung beauftragten Rechtsanwalts nach deutschem Recht (RVG) beanspruchen kann. Auf die Vergütung, die dem Rechtsanwalt im Ausland zu zahlen gewesen wäre, komme es nicht an.

Grundsätzlich gilt das Recht des Unfallortes, sodass der Geschädigte eines Unfalls im Ausland oftmals – im Gegensatz zum deutschen Schadensrecht – keinen Anspruch auf Erstattung der Wertminderung, Nutzungsausfallentschädigung, Mietwagenkosten, Sachverständigengebühren oder auch der Rechtsanwaltskosten gegen den Versicherer des Unfallverursachers hat.

Nach Meinung des OLG Düsseldorf ist der Geschädigte eines Verkehrsunfalls in Polen berechtigt, die Abschleppkosten des Transportes seines nicht mehr fahrbereiten Fahrzeugs zu seinem Heimatort in Deutschland zu verlangen, weil ihm wegen des erheblichen Mehraufwands nicht zugemutet werden könne, sich von Deutschland aus um den Verkauf oder eine Reparatur seines Autos in Polen zu kümmern. Jedenfalls gelte dies, wenn die Abschleppkosten nicht außer Verhältnis zum Wert des beschädigten Fahrzeugs stünden.

Überdies führte das Gericht aus, dass der Geschädigte auch Anspruch auf die Gebühren seines in Deutschland mit der Schadensregulierung beauftragten Rechtsanwalts nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetzt (RVG) habe, ohne dass es darauf ankomme, welche Vergütung einem vor Ort in Polen beauftragten Anwalt zu zahlen gewesen wäre.

Oberlandesgericht Düsseldorf, Urteil vom 03.08.2021 – 1 U 108/20

Weitere Beiträge

Kanzlei PFO - Rechtsanwalt

Kanzlei PFO

6. Juli 2026

Abgeschleppt nach Überschreitung der Parkzeit auf einem privaten Parkplatz – welche Rechte haben Autofahrer?

Besprechung des BGH-Urteils vom 19.12.2025 – V ZR 44/25 Wer auf einem privaten, gebührenpflichtigen Parkplatz parkt, kennt die Situation: Ein Termin dauert länger als geplant, die bezahlte Parkzeit läuft ab... Mehr lesen...

Sebastian Kern - Rechtsanwalt Sebastian Kern

23. März 2023

Wer in eine länger geöffnete Fahrzeugtür fährt trägt ein Mitverschulden

Das LG Saarbrücken hatte sich mit der Frage zu befassen, ob den Kläger ein Mitverschulden trifft, wenn er mit seinem Auto die schon länger geöffnete Tür eines anderen am Fahrbahnrand... Mehr lesen...

Sebastian Kern - Rechtsanwalt Sebastian Kern

15. März 2023

Kein „rechts vor links“ auf Parkplätzen ohne eindeutige Regelung | Verkehrsrecht

Der sechste Zivilrechtssenat des BGH hatte im November 2022 darüber zu entscheiden, ob auf einem Parkplatz die allgemeine Verkehrsregel "rechts vor links" Anwendung findet.   Auf dem Parkplatz eines Baumarktes... Mehr lesen...

Sebastian Kern - Rechtsanwalt Sebastian Kern

8. März 2023

Verkehrsrecht – Hupen reicht nicht aus

Auch wer hupt, muss die Gefahr weiterhin im Auge behalten. In seinem Urteil vom 20.01.2023 entschied das LG Saarbrücken, dass ein Hupen als Warnzeichen kein Vertrauen auf den Abbruch einer... Mehr lesen...

Sebastian Kern - Rechtsanwalt Sebastian Kern

25. Januar 2023

Urteil für Radfahrer

Das OLG Düsseldorf entschied mit Endurteil vom 07.12.2021, dass sich ein nach links abbiegender Radfahrer zur Mitte der Fahrbahn einordnen und eine zweite Rückschau vornehmen muss. Im zu entscheidenden Fall... Mehr lesen...

Sebastian Kern - Rechtsanwalt Sebastian Kern

16. Januar 2023

Fuchs rechtfertigt kein starkes Abbremsen

Das AG Pfaffenhofen entschied mit Endurteil vom 16.09.2022, dass ein Fuchs am Fahrbahnrand keinen zwingenden Grund im Sinne des § 4 Abs. 1 Satz 2 StVO für ein starkes Abbremsen... Mehr lesen...